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Forschen in der Krise

Auch in Zeiten der Rezession muss in F&E investiert werden. 

Christian Sec. | Börsen-Kurier

Die wirtschaftliche Leistung ist in diesem Jahr um etwa 1 % gesunken und viel Besserung ist nicht in Sicht. Die Unternehmen sehen sich daher einer herausfordernden Situation gegenüber. Einerseits fordern Umsatzrückgänge kurzfristig Kosteneinsparungen, gleichzeitig braucht es auch die Stärkung der Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft. So hat der Präsident der Industriellenvereinigung Georg Knill bereits im vergangenen Jahr in einem Kommentar eine Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsquote (F&E) von derzeit rund 3,3 auf 4 % des BIPs gefordert, um den Standort Österreich zu sichern. Und siehe da, die Forderung scheint Gehör gefunden zu haben. Im aktuellen Regierungsprogramm liest man nun, das langfristige Ziel sei, die Erhöhung der Forschungsquote auf mehr als 4 % bis 2030 „um die österreichische Grundlagenforschung und angewandte Forschung als Motor für Innovation zu stärken“. 

Österreichischer Spitzenreiter

34 % der gesamten F&E-Ausgaben wurden 2024 vom Staat aufgewendet und rund 51 % bzw. 8,4 Milliarden Euro von den Unternehmen. Häufig sind die F&E-Budgets der Unternehmen an die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens gebunden. Der Innovationsexperte Martin Pattera erklärt gegenüber dem Börsen-Kurier: „Innovationsbudgets sind oft die ersten, die gekürzt werden, wenn das Geschäft zurückgeht.“ 

Beim Halbleiterhersteller ams Osram, der in diesem Jahr Verluste verzeichnete, gibt es eine erkennbare Reduzierung der Investitionen. Der Technologie-Konzern hat 2024 419 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investiert, was etwa 12 % des Umsatzes ausmacht; im Jahr 2023 waren es noch 480 Millionen Euro bzw. 13 %. Mit der aktuellen F&E-Quote von 12 % befindet sich das Unternehmen jedoch im branchenüblichen Bereich, wie uns gegenüber angegeben wurde. Trotz gesenkter Ausgaben ist das Unternehmen weiterhin führend in Österreich bei F&E-Ausgaben. Zum Vergleich: Amazon hatte 2023 weltweit ein Innovationsbudget von 79 Milliarden Euro. 

Patente und Talente

Die Forschungsquote der Unternehmen variiert je nach Branche erheblich. Bei Andritz lag die interne F&E-Quote in den vergangenen Jahren zwischen 1,5 und 1,8 % des Umsatzes. Ergänzt um auftragsbezogene Entwicklungsarbeiten in ähnlicher Höhe ergibt sich eine Gesamtquote von rund 3 % des Umsatzes, wie das Unternehmen gegenüber dem Börsen-Kurier erklärt. „Dieses Niveau werden wir auch heuer beibehalten.“ 

Der Fokus liegt weiterhin auf der Entwicklung umweltschonender Technologien, die den Energie- und Ressourceneinsatz reduzieren und die Lebensdauer von Maschinen und Anlagen verlängern. Zudem investiert Andritz verstärkt in neue Geschäftsfelder der grünen Transformation, darunter z.B. Anlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Kooperiert wird mit Universitäten, was gleich zwei Vorteile bietet: Einerseits ermöglichen sie den Zugang zu innovativer Forschung, andererseits den Kontakt mit Spitzentalenten. Insgesamt beliefen sich die F&E-Ausgaben von Andritz auf 139 Millionen Euro. 

Die F&E-Aufwendungen des Mautanbieters Kapsch TrafficCom betrugen im vergangenen Jahr 80 Millionen Euro (Jahr davor: 78,3 Millionen Euro). Mit einer Forschungsquote von rund 14,8 % zählt Kapsch TrafficCom zu den forschungsintensivsten österreichischen Unternehmen, ist in dieser Kategorie aber nicht die Nummer eins. 

Laut einer Studie von EY nimmt den Platz an der Sonne der Softwarekonzern Fabasoft mit einer F&E-Quote von 31 % ein. 

Die voestalpine erhöhte ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung in den letzten vier Jahren kontinuierlich um jeweils rund 20 Millionen Euro pro Jahr. Im Geschäftsjahr 2023/24 beliefen sich die F&E-Ausgaben auf 214 Millionen Euro. Ein Beispiel für die Innovationskraft der Voestalpine-Forschungsabteilung sind Entwicklungen im Automobilbereich, insbesondere hochfeste Stähle, die in sicherheitsrelevanten Bauteilen der Autokarosserie zum Einsatz kommen.

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