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Agrana schließt zwei Zuckerfabriken in Österreich und Tschechien

12.03.2025, 19:21:00

Zwei von vier Zuckerfabriken in Österreich und Tschechien geschlossen - "Teil der strategischen Neuausrichtung" - 120 Mitarbeiter in Leopoldsdorf und 150 in Hrušovany betroffen

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AKTUALISIERUNGS-HINWEIS
Neu: FPÖ Niederösterreich (vorletzter Absatz)
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Der börsennotierte Frucht-,
Stärke- und Zuckerkonzern Agrana schließt zwei seiner vier
Zuckerfabriken in Österreich und Tschechien. Die Produktion an den
Standorten Leopoldsdorf im Marchfeld sowie Hrušovany in Tschechien
wurde mit sofortiger Wirkung eingestellt. Dies habe der
Agrana-Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen,
teilte der Konzern überraschend mit. Die Schließung betrifft rund
120 Mitarbeiter in Leopoldsdorf sowie rund 150 in Hrušovany.
Die Entscheidung zur Schließung von zwei Produktionsstandorten
sei "schwierig, aber notwendig", so Agrana-Chef Stephan Büttner in
einer Aussendung. Diese Maßnahme sei "ein wichtiger Teil der
strategischen Neuausrichtung des Konzerns, mit der eine langfristige
Stabilisierung und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen
Zuckerproduktion erreicht werden soll". Steigende Produktionskosten,
zunehmender Wettbewerbsdruck durch den Rückgang des Zuckerverbrauchs
in der EU, Marktliberalisierungen sowie regulatorische Vorgaben
hätten die Fortführung der Produktion an je zwei Standorten in
Österreich und Tschechien "wirtschaftlich untragbar gemacht",
erklärte die Agrana.
Agrana-Zuckerproduktion in Österreich künftig nur mehr in Tulln
In Österreich wird die gesamte Agrana-Zuckerproduktion künftig
nur mehr am Standort Tulln erfolgen und in Tschechien nur mehr am
Standort Opava. Die Zuckerfabrik Leopoldsdorf war wegen zu geringer
Rübenmengen schon in der Vergangenheit vor dem Aus gestanden. Im
Herbst 2020 verkündeten die Agrana, das Landwirtschaftsministerium
und die Rübenbauern daher einen "Zuckerpakt", um die Fabrik in
Leopoldsdorf abzusichern. Um die Fabriken in Tulln und Leopoldsdorf
gut auszulasten, benötigt das Unternehmen nach Angaben vom Mai des
vergangenen Jahres die Zuckerrüben-Anbaumenge von 38.000 Hektar.
Damals hatte Büttner noch in Bezug auf die damals in Ausarbeitung
befindliche Konzernstrategie betont, dass Leopoldsdorf "nicht zur
Disposition" stehe.
Für die 270 Mitarbeiter, die von den zwei Werksschließungen
betroffen sind, will der Zuckerkonzern "umfangreiche
Unterstützungsmaßnahmen" bereitstellen. Vorgesehen sind Umschulungen
und Qualifikationsprogramme, Möglichkeiten zur Übernahme von Stellen
an anderen Agrana-Standorten sowie individuelle Abfindungen und
Beratung bei der beruflichen Neuorientierung.
Errichtet wurde das Werk Leopoldsdorf in den Jahren 1901 und 1902
als Rohzuckerfabrik. Im Jahr 1925 wurde sie zu einer
Weißzuckerfabrik umgebaut. Von dort aus erfolgte die
Zuckerauslieferung vorwiegend an die weiterverarbeitende Industrie
in loser und verpackter Form. Der Agrana-Standort Leopoldsdorf soll
nach dem Ende der Zuckerproduktion als Logistik-Hub bestehen
bleiben.
"Massiver Einschnitt für Landwirtschaft"
"Die Schließung von Leopoldsdorf ist ein massiver Einschnitt für
die heimische Landwirtschaft", so der
Landwirtschaftskammer-NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager in
einer Aussendung. Die Rübenbauern würden nun "vor erheblichen
Herausforderungen, sowohl wirtschaftlich als auch hinsichtlich ihrer
langfristigen Planungssicherheit" stehen. Der Chef der SPÖ
Niederösterreich, Sven Hergovich, rief die Landesregierung von ÖVP
und FPÖ auf, das Industriegebiet in Leopoldsdorf zu erhalten. Die
FPÖ Niederösterreich sah in der Schließung "eine weitere
Bankrotterklärung der ÖVP-Wirtschaftspolitik".
Weil unter anderem ukrainischer Zucker in die Agrana-Absatzmärkte
gelange, sei es "derzeit nicht möglich, den in Österreich über den
Eigenbedarf erzeugten Zucker in diesen Regionen, so wie in der
Vergangenheit, abzusetzen", erklärte die Vereinigung "Die
Rübenbauern". Deswegen habe die Agrana für den Anbau 2025 die
Rübenflächen "drastisch reduziert". "Offenbar sieht unser heimisches
Zuckerunternehmen keine Perspektive auf Marktverbesserung in ihren
Ostmärkten", so der Rübenbauern-Verband. Das gemeinsame Ziel mit
Agrana bleibe "weiterhin, die Eigenversorgung mit heimischem Zucker
aus österreichischen Zuckerrüben sicherzustellen", so
Verbandspräsident Ernst Karpfinger. Über den bundesweiten Verband
sind die Rübenbauern zu knapp 15 Prozent an der Agrana beteiligt.
(Redaktionelle Hinweise: GRAFIK 0394-25, Format 88 x 92 mm)
  cri/tpo/pro
 ISIN  AT000AGRANA3
 WEB   http://www.agrana.com


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Agrana Beteiligungs-AG

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Quelle: APA