Die Volatilitätsunterbrechung leistet einen bedeutenden Beitrag zur Vermeidung von abrupten, unbeabsichtigten Preissprüngen und trägt wesentlich zur Wahrung der Preisqualität bei.

Die Volatilitätsunterbrechung – im Englischen „volatility interruption“ oder oft auch „circuit breaker“ genannt – ist ein wesentlicher Bestandteil im Handelssystem Xetra® T7 und ein wichtiger Schutzmechanismus der Handelsverfahren „Fortlaufender Handel mit Auktionen“ sowie „Auktion“.

Beginn einer Volatilitätsunterbrechung

Eine Volatilitätsunterbrechung tritt ein, wenn der nächste mögliche Preis (indikative Preis) eines Wertpapiers außerhalb des festgelegten dynamischen oder statischen Korridors liegt. Die Preisbildung wird nicht sofort abgeschlossen, sondern der Handel für eine bestimmte Zeit unterbrochen (= Volatilitätsunterbrechung) – die Dauer variiert je nach Handelsverfahren und Marktsegment (z.B. 2 Minuten in Fortlaufender Handel). Tritt der Fall während des Fortlaufenden Handels ein, dann wird die Aufrufphase einer Volatilitätsunterbrechung eingeleitet, während einer Auktion hat es eine Verlängerung der Aufrufphase zur Folge. Eine Volatilitätsunterbrechung wird im Handelssystem – entsprechend gekennzeichnet – immer angezeigt.

Beispiel: Volatilitätsunterbrechung im Handelsverfahren „Fortlaufender Handel mit Auktionen“

Während einer Volatilitätsunterbrechung

Diese ‚Verschnaufpause‘ gibt allen Handelsteilnehmern (Investoren) zusätzliche Zeit, um die aktuelle Situation neu zu bewerten. Ein weiterer Vorteil der Volatilitätsunterbrechung für Investoren: Bis zur nächsten Preisbildung können neue Aufträge erteilt, bestehende angepasst (z.B. Preis oder Menge) oder gelöscht werden, der potenzielle Preis kann sich somit – bis zum Ende der Unterbrechung – noch verändern.

Abschluss einer Volatilitätsunterbrechung

Die Preisbildung am Ende einer Volatilitätsunterbrechung erfolgt – so wie in einer regulären Auktion auch – nach dem Meistausführungsprinzip, das bedeutet der Preis wird aus der Summe der Kauf- und Verkaufsaufträge dort ermittelt, wo unter Berücksichtigung aller Aufträge der größte (Stück-)Umsatz möglich ist.

Nach Ablauf der vorgesehenen Dauer der Volatilitätsunterbrechung wird erneut eine Preisbildung gestartet. Liegt der indikative Preis nun innerhalb der festgelegten Grenzen, wird die Unterbrechung mit einer Preisbildung erfolgreich beendet und das Wertpapier wechselt im Handelssystem automatisch in die nächste planmäßige Handelsphase. 

Bei besonders starken Preissprüngen kann der Handel durch eine erweiterte Volatilitätsunterbrechung (Extended Volatility Interruption) für einen zusätzlichen Zeitraum unterbrochen bleiben. In diesem Fall begleitet die Wiener Börse die Preisbildung und führt im Handelssystem den Wechsel des Wertpapiers in die nächste Handelsphase manuell durch.

Der dynamische und der statische Korridor

Jedes Wertpapier in den Handelsverfahren „Fortlaufender Handel mit Auktionen“ und „Auktion“ verfügt über einen dynamischen und einen statischen Korridor.

Der dynamische Korridor definiert die maximale (symmetrisch positive oder negative) Abweichung eines Wertpapiers vom letzten gehandelten Preis (inkl. Preis ohne Umsatz).

Der statische Korridor definiert die maximale (symmetrisch positive oder negative) Abweichung eines Wertpapiers vom letzten in einer (Volatilitäts-)Auktion gehandelten Preis (inkl. Preis ohne Umsatz). 

Eine Volatilitätsunterbrechung wird eingeleitet, wenn der nächstmögliche Preis eines Wertpapiers außerhalb des definierten dynamischen oder statischen Korridors liegt.

Beispiel: Zusammenspiel des dynamischen und des statischen Korridors

An der Wiener Börse orientiert sich die Breite der Korridore an der Art des Wertpapiers (z.B. Aktie oder Anleihe), am Handelsverfahren, an den vorhandenen Liquiditätsanbietern (z.B. Market Makern), an der Volatilität im Markt sowie an der Liquidität des Wertpapiers. Die Korridore werden für jedes Wertpapier individuell festgelegt, zumindest einmal monatlich überprüft und gegebenenfalls angepasst.

Die aktuellen Werte der Korridore für jedes an der Wiener Börse handelbare Wertpapier finden Sie hier:

Aktuelle Werte der Korridore (CSV-File)